Goldeimer

Unser Traum vom Kackewald

Enno hält einen Haufen Erde in der Hand
Seit acht Jahren kämpfen wir dafür, den Kot von unseren Festival-Kompostklos nutzbar zu machen und darauf Bäume pflanzen zu dürfen. Zusammen mit Partnern wie FINIZIO und dem IGZ haben wir Versuchsflächen angemeldet und Messwerte analysiert. Nun ist die Ziellinie in Sicht: Auf veredeltem Humusdünger aus Inhalten von Trockentoiletten darf unser Traum vom Kackewald endlich wahr werden.

Erde aus Festival-Kacke

Derzeit ist es normale Praxis, dass Fäkalien zu Transportzwecken mit Wasser vermengt in die Kanalisation geleitet werden. In Kläranlagen werden Feststoffe und Wasser dann wieder mühevoll voneinander getrennt. Das Abwasser wird energieintensiv gereinigt und die übrig bleibenden Klärschlämme werden verbrannt. Wir betreiben seit acht Jahren kreislauforientierte Trockentoiletten auf Festivals, um aus dieser Einbahnstraße wieder einen Kreisverkehr zu machen.

Bis aus Scheiße Erde wurde, sind acht lange Jahre vergangen. In der Natur geht das schneller. Und eigentlich macht sie es uns mit vier kostenlosen Zutaten sehr einfach: Biomasse, Sauerstoff, kleine Tierchen im Boden und Zeit. Damals war uns nicht klar, dass es noch weitere Zutaten gibt: Bürokratie, Gesetze und Vorurteile. Während wir einen Haufen Gold sahen, sahen alle anderen einen Haufen Scheiße. Stinkend und wertlos.

»Tolle Idee, aber...«
»...keine Genehmigung«, sagten die Behörden.
»...kein Markt«, sagten die Unternehmen.
»...kein Abfallschlüssel«, sagten die Kompostierbetriebe.

Ab wann ist Scheiße Dünger?

Tage und Nächte schlugen wir uns um die Ohren. Im Bus, in der Bibliothek und abends im Bett verschlangen wir in feinstem Beamtendeutsch verfasste Verordnungen. Alles, um endlich die Antwort auf die Frage zu finden: Ab wann ist Scheiße rein rechtlich betrachtet keine Scheiße mehr, sondern Dünger?

Diese Frage berührt in Deutschland gleich drei Verordnungen: Die Düngemittel-, Bioabfall- und Klärschlammverordnung. Wir haben mit Umweltjuristinnen, Wissenschaftlerinnen und Gesundheitsbehörden gesprochen. Alle wollten Messdaten zur hygienischen Unbedenklichkeit. Um die zu liefern, haben wir Versuchsflächen in ganz Deutschland genehmigen lassen. Auf der Pilotanlage von Finizio in Eberswalde wurde auch unser Festivalschiet der letzten Saison kompostiert. Getestet wurde der Kompost auf sämtliche Standardparameter, Fremdstoffe, organische Schadstoffe, Schwermetalle und Krankheitserreger wie Salmonellen. Alle gesetzlichen Grenzwerte wurden eingehalten, somit ist der Kompost sicher. Der Nährstoffgehalt macht den Kompost zu einem Humusdünger, der die Bodenfruchtbarkeit erhöht.

Eine Person entnimmt mit einem Bohrstock eine Bodenprobe auf einer Versuchsfläche.
Proben werden dem Boden entnommen und im Labor auf verschiedene Parameter getestet. Foto: Finizio GmbH

Genormter Kacke-Kompost

Der Produktstandard ist nun offiziell festgehalten in einer DIN SPEC – eine »Scheiße-DIN« sozusagen. Genauer: Die DIN SPEC 91421. Sie ist das Tor zur Aufnahme von Fäkalkompost in die Düngemittelverordnung. Im November 2020 wurde die DIN SPEC veröffentlicht. Wir können damit erstmals zeigen, dass menschliche Fäkalien ganz ohne Kanalisation sicher behandelt werden können.

Welche Möglichkeiten eröffnet das?

Wir können Kot und Urin aus Trockentoiletten ohne Umwege recyclen. Würden alle menschlichen Hinterlassenschaften recycelt, könnten alleine dadurch 17 bis 25 Prozent der synthetischen Düngemittel ersetzt werden. Wir fordern direktes Recycling mit Nährstoffrückgewinnung statt Verbrennung! Wir haben sehr viel Scheiße gesammelt und durften den Kompost bisher nie ausbringen – doch jetzt ist es soweit.

Enno springt voller Freude auf einen Haufen Kackekompost.
Unsere Partner von Finizio haben Kompost angeliefert. Foto: Goldeimer

Auf einer Fläche mitten in Hamburg wird der erste kleine Goldeimer »Festival Forest« angepflanzt. Auf dem Gelände eines alten Recyclinghofs bei dem Projekt PARKS. Hier liegt er nun, der erste Kackekompost, den wir im öffentlichen Raum ausbringen dürfen. Gespendet von tausenden Festival-Besucher*innen, zu Kompost veredelt von Finizio. Es ist schwarze, wohlduftende, fruchtbare Erde, auf der nun Bäume gepflanzt werden. Die DIN SPEC 91421 kann hier kostenlos runtergeladen werden.

Wir freuen uns auf viele weitere Wälder!
Eure Goldeimer Crew

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