Geschichte

2011 begann die Idee von Goldeimer langsam zu keimen. Seitdem ist eine Menge passiert. Festival-Trockenklos, soziales Klopapier, Seife und vieles mehr erblickten das Licht der Welt.

2011: Ein Durchfall stimmt nachdenklich

Während einer Reise durch Burkina Faso mit Viva con Agua und der Welthungerhilfe wird Malte von einem heimtückischen Durchfall heimgesucht. Die defizitäre Sanitärversorgung vor Ort und in Ghana stimmen nachdenklich. Welche Bedeutung haben eigentlich Toiletten für eine Gesellschaft? Wo landet die Schiete, die wir tagtäglich so wegspülen? Welche Konsequenzen zieht ein Leben ohne Toilette mit sich?

Die Reise auf der Suche nach Antworten beginnt. Nach 25 Jahren macht sich Malte erstmalig Gedanken über seinen Stuhlgang.

2012: Eine Bachelorarbeit und erste Versuche mit Trockenklos

2012 beginnt Malte seine Bachelor-Arbeit über alternative Sanitärsysteme, die Geschichte der Scheiße und Trockenklos zu schreiben. Zeitgleich experimentieren Markus, ein alter Freund aus Berlin, und Malte mit ersten Trockentoiletten-Modellen im heimischen Badezimmer. Die Ergebnisse sind faszinierend, fast wie Zauberei.

Unter dem Klodeckel tun sich so einige Herausforderungen auf: Humusschwund, Phosphor-Peak, tödliche Durchfallerkrankungen bei Kleinstkindern, Kontamination von Wasser, Open Defecation, Hormone im Trinkwasser, Degradation der Böden - die Liste der Probleme im Zusammenhang mit nicht vorhandener und konventioneller Sanitärversorgung ist lang.

Erste Gedanken, der altbewährten Trockentoilette zu einer Renaissance zu verhelfen, kommen auf…

2013: Der erste Festivalsommer mit Trockenklos

Rolf, Jojo, Hannes, Malte und Jan bewerben sich beim Kieler yooweedoo-Wettbewerb und stauben ein Preisgeld ab, um zwei Trockentoiletten-Prototypen zu bauen. In einer Halle der leerstehenden Muthesius Kunsthochschule, mit 10 linken Händen und ein paar Feierabendbier bauen wir schließlich die ersten beiden Goldeimer aus Holz zusammen.

Im Juli beginnt unsere Tour zu insgesamt 4 Festivals in Deutschland und das Goldeimer-Baby lernt seine ersten Schritte auf dem Klo-Parkett. Einige Wochen später steht fest: wir sind heiß wie Frittenfett und wollen weitermachen.

2014: Viva con Agua findet Goldeimer super. Wir gründen zusammen das Social Business Goldeimer.

Wir gründen die Goldeimer GmbH als Social Business innerhalb des Viva con Agua Kosmos. Eine starke Partnerschaft, die den Grundstein für alles weitere legen soll. Wir bündeln Netzwerk, Enthusiasmus & Know-How und bringen zusammen einige Pferdestärken mehr auf die Bahn, um Kompost und Klos in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen und künftig Sanitärprojekte der Welthungerhilfe zu finanzieren.

2015: Rambazamba mit 60 Toiletten

Wir sind mit mittlerweile 60 Toiletten unterwegs, Trockentoiletten für Festivals werden immer stärker nachgefragt. Mit einer zornigen Crew sind wir über drei Monate durchgehend in der Republik unterwegs und retten mehrere tausend Hintern.

2016: Das Goldeimer Klopapier ist da

Wo Klos sind, darf das Klopapier nicht fehlen. In Zusammenarbeit mit der Hamburger Drogeriemarktkette Budni und Viva con Agua bringen wir das erste soziale Klopapier auf den Markt: Goldeimer Klopapier. Recycling-Klopapier, um unser Social Business weiterzuentwickeln und die Sanitärprojekte der Welthungerhilfe zu unterstützen. Richtig gut! Auch die Festivals werden nicht weniger: 80 Toiletten zählt unsere Flotte mittlerweile.

Besonderes Schmankerl 2016: Heimwerkerkönig Fynn Kliemann baut ein Portal-Klo für uns.

2017: Rechte Wahlkampfhetze wird zu Klopapier

Wir gehen zur Bundestagswahl auf die Straße – um Wahlkampfmaterial von AfD und anderen rechtspopulistischen Parteien einzusammeln und zu einer Sonderedition Klopapier zu verarbeiten. Das »Scheißpapier« ist geboren und spendet 5.000€ an den CURA Opferfonds.

Was noch geschah: Kurz nach dem Jahreswechsel geht die hunderttausendste Packung Goldeimer Klopapier übers Kassenband. In der Welt des Klopapiers ist das noch sehr wenig, für uns aber ist es ein Meilenstein. Auch außerhalb von Hamburg gibt es nun zum ersten Mal Goldeimer Klopapier.

2018: Die ersten Goldeimer Trockenklos für Zuhause

Zusammen mit WERKHAUS bringen wir unser erstes Trockenklo für den Kleingarten und die Reise mit dem Camper auf den Markt. Schließlich muss es euch auch außerhalb der Festival-Saison möglich sein, das pure Goldeimer Schiet-Erlebnis zu genießen.

So wird Nährstoffrecycling im eigenen Garten zu einem Klacks.

2019: Pilotprojekt in Äthiopien und ein Kinderbuch für Groß und Klein

Im Januar 2019 lassen wir einen Testballon steigen. In Addis Abeba, Äthiopien. Hier wollen wir herausfinden, ob die Trockentoilette eine Alternative zu Latrinen mit sog. Septic Tanks sein kann. Die Kombination aus Trockenklo, Kompostierstelle und Pflanzenkläranlage benötigt kein Spülwasser, muss nicht kostenintensiv abgepumpt werden und liefert Nährstoffe zur Bodenaufwertung.

654 Menschen unterstützen uns außerdem bei der Crowdfunding-Kampagne für unser Kinderbuch »Die kleine Geschichte vom großen Geschäft« – illustriert von 13 Künstler*innen und Kollektiven.

2020: Keine Festivals – Dafür DIN Spec, soziale Masken und Kackewald

2020 hat die Pandemie uns alle kalt erwischt. Unser Rhythmus gerät aus dem Gleichgewicht – denn normalerweise fahren wir jeden Sommer auf bis zu 20 Festivals, um Menschen mit unseren Trockenklos den Arsch zu retten. In diesem Jahr nicht. So haben wir eine Menge Zeit für andere Projekte.

Unser Jahr füllen die DIN Spec, der Kackewald, unsere neue Seife, Goldeimer-Klamotten, das Klopapier gegen Rassismus, und, und, und. Außerdem verkaufen wir auf einmal Masken – natürlich soziale Masken. Mit den Gewinnen unterstützen wir Viva con Agua und den Corona Nothilfefonds der Welthungerhilfe.

2021: Es wächst und gedeiht

Der Kleingarten wird zu einem neuen Goldeimer-Spielplatz. Mit neuen Produkten und einer umfassenden Broschüre geben wir euch alles an die Hand, was ihr für das große Geschäft und die Kompostierung von Trockenkloinhalten im Kleingarten braucht. Die Rosen im Beet sind aber nicht das einzige, das einen ordentlichen Wachstumsschub hinlegt. Goldeimer wächst auch.

Wir begrüßen neue Mitarbeitende an Bord und sind plötzlich doppelt so groß wie vorher. Das macht einiges mit uns als Team. Wir sind top motiviert und haben Schmackes, um die nächsten Jahre zu gestalten!