Trockenklos auf Events – warum wir in diesem Jahr so viele Einsätze ablehnen müssen.

Illustration einer gestreckten Faust mit Klobürste. Daneben ist ein goldener Kothaufen.

Wir bekommen in den letzten Monaten überwältigend viele Anfragen für unsere Trockentoiletten – für Festivals, Hochzeiten, Hoffeste und Messen. Das ist einerseits eine sehr erfreuliche Entwicklung, andererseits aber auch ernüchternd. Weshalb? Einen sehr großen Teil der Anfragen müssen wir ablehnen.

Warum habe ich eine Absage bekommen?

Solche Absagen sorgen verständlicherweise für Frust und Unverständnis. Gerade kleine Festivals, die sich viele Gedanken um Nachhaltigkeitsaspekte machen – und die Sanitärversorgung hier mitdenken – fühlen sich zurückgestoßen, wenn ihr Festival durch unser Raster fällt. Auch für uns fühlt sich das blöd an. Schließlich ist es unfassbar nice, dass sie sich mit nachhaltiger, kreislauforientierter Sanitärversorgung beschäftigen. Das sollte in der Welt, die wir uns mit Goldeimer wünschen, honoriert werden müssen. 

Diese Welt lässt aber noch etwas auf sich warten. Damit ihr, bis es soweit ist, unsere Entscheidungen und die Hintergründe dazu nachvollziehen könnt, wollen wir einmal transparent auf die Infrastruktur zu sprechen kommen, die hinter jedem Trockenklo steht.

Toilette ist nicht gleich Toilette

Viele Anfragen werden mit der Erwartungshaltung gestellt, dass eine Trockentoilette von uns genauso einfach geliefert werden kann wie ein konventionelles Mietklo: Anliefern, Toiletten abladen, zwischendurch kurz absaugen, Toiletten wieder auf einen Anhänger laden, abfahren, fertig. Ganz so einfach ist es aber nicht, denn im Prinzip haben mobile Chemieklos und Container-Spültoiletten nur eines mit dem Trockenklo gemeinsam: die Klobrille. Der Rest funktioniert vollkommen anders und ist in unserer Gesellschaft, in der das Trockenklo gerade erst am Anfang seines Revivals steht, sehr viel komplizierter:

  • Aufbau: Der Aufbau unserer Goldeimer Toiletten ist personalintensiv, mindestens zwei Personen müssen unsere Module auf- und abbauen und das zugehörige Sammelsystem anschließen.
  • Logistik: unser Lager befindet sich in der Lüneburger Heide. Es macht umwelt- und kostentechnisch oftmals keinen Sinn, für ein Event in hunderten Kilometer Entfernung drei Toiletten aufzustellen. Daher lohnt es sich für uns in der Regel erst für Veranstaltungen, die über 20 Toilettenkabinen benötigen
  • Betrieb: Unser Anspruch ist, dass die Nutzer*innen eine positive Erinnerung an unsere Goldeimer haben. Daher gibt es uns in der Regel auch nur in Kombination mit einer durchgehenden Betreuung. Kabinen abzustellen und nach ein paar Tagen wieder aufzuladen ist für uns bislang keine Option. Nach zwei Jahren Festivalpause durch Corona ist es für uns außerdem eine große Aufgabe, unser Ehrenamtlichen-Netzwerk wieder zu aktivieren und diese Betreuung damit sicherzustellen. Schließlich ist die Zeit auch an unserer Festivalcrew nicht vorbeigegangen und viele haben in den letzten drei Jahren den Sprung von Ausbildung und Studium ins Berufsleben gemacht. Wenn du Bock hast, einmal reinzuschnuppern, dann bist du herzlich eingeladen, mal für ein Festival die andere Seite unserer Trockenklos kennenzulernen.
  • Verwertung: Klassische Mobiltoiletten werden abgesaugt und der Inhalt anschließend in der nächstgelegenen Kläranlage entsorgt. Genau das wollen wir nicht. Wir setzen uns seit Jahren für die Sanitärwende in Deutschland ein und wollen die gesammelten Fäkalien kompostieren und dem Kreislauf wieder zuführen. Auch hier ist der Logistik- und Personalaufwand wieder entsprechend höher und lohnt sich nur bei großen Mengen Material.

Wir setzen auf strukturelle Veränderung

Unsere Vision ist, dass in einigen Jahren vermehrt und überwiegend Trockentoiletten auf Festivals und öffentlichen Veranstaltungen in Deutschland angeboten werden und zum Einsatz kommen. Hierfür muss aber noch die passende, zugrundeliegende Infrastruktur aufgebaut werden: dezentrale Verwertungsanlagen in jedem Landkreis und ein gesicherter Rechtsrahmen, sowie eine wissenschaftlich fundierte Dokumentation zur Unbedenklichkeit von Kompost, der aus menschlicher Schiete hergestellt wurde. Diese Arbeit findet im Hintergrund statt und kostet viel Zeit und Energie. Wir haben uns dazu entschieden, unseren Fokus in den kommenden Jahren auf diese Grundlagenarbeit zu legen – damit es nach “hinten raus” auch wirklich zu einer flächendeckenden Verbreitung von Trockentoiletten kommen kann und die Sanitärwende nicht nur auf den Events Realität ist, auf denen wir – und andere Trockenklo-Betreiber*innen – unterwegs sind.

Wir freuen uns daher über euer Verständnis, wenn wir jährlich nur sehr konzentriert und fokussiert mit unseren Goldeimern unterwegs sind. In ein paar Jahren wird es hoffentlich viele weitere Unternehmen geben, die in allen Ecken Deutschlands Trockentoiletten anbieten und auf die Grundlagenarbeit, die wir und andere gerade leisten, zurückgreifen können.

Mehr Infos zu unserem Engagement findest du auf www.naehrstoffwende.org und auf der Website vom Netzwerk für nachhaltige Sanitärsysteme (NetSan e.V.), einem Verbund aus vielen engagierten Unternehmen, Einzelpersonen und Forschungseinrichtungen, mit denen wir gemeinsam die Sanitärwende vorantreiben.


2 Kommentare


  • ilse krause

    Sehr gut erklärt – zwei Fragen bleiben für mich:
    Liefert Ihr auch eine trockentoilette für Dauer an einen einzelnen Schrebergarten? Der nicht sehr ausgiebig genutzt wird.
    Wenn nicht: könnt Ihr uns andere Firmen mit vergleichbaren Toiletten nennen, die liefern würden?
    Und: was kostet das alles? Toilette, Kackpulver, Papier, Beutel, Anschließen?
    Freundliche Grüße,
    Ilse Krause


  • Jens Veenhuis

    Alles sehr plausibel. Wenn ihr soweit seit meldet euch gerne:
    www.bluesinlehrte.de, jeweils am 1. Samstach im September, 12 Kabinen + 1 Handicap-Kabine werden benötigt.
    Liebe Grüße und viel Erfolg wünscht: Jens


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